2022-01 Patagonien
2022-01 Patagonien
Fahrradtour in Patagonien

Vom 16.12.2021 bis 06.01.2022. Llanquehue - Puerto Montt - Hornopirén - Volcán Chaitén - Yelcho - Puerto Puyuhuapi - Ventisquero Colgante - Villa Mañihuales - Coyhaique - Cerro Castillo - Puerto Río Tranquillo - Puerto Guadal - Puerto Chacabuco - Cucao.

Aktive Fahrradtage: 18 Tage
Gesamtstrecke: 1.028 km
Höhenmeter: 17.800 m
Reine Fahrzeit: 88 h

Karte

www.google.com/maps/…

GPX-Dateien

Gesamte Tour: Carretera-Austral.gpx
Unsere Tour: Patagonien.gpx

2018-01 Ruanda
2018-01 Ruanda
Fahrradtour Ruanda

Wir fahren mit unseren Fahrrädern auf roten Lateritböden entlang von alttestamentarischen Lehmhütten mit Rindern und Ziegen. Es gibt überall Menschen, vor allem Kinder. Aus den Klassenzimmern ertönen afrikanische Lieder. Sobald die Schwarzen uns sehen rufen sie aufgeregt "Mzungu" - so werden die Europäer bezeichnet. Bei jeder Steigung laufen Kinder neben uns her. Wir können uns kaum im Schatten ausruhen. Es kommen von allen Richtungen Menschen auf uns zu und starren uns an. Wir fahren weiter, es ist wie auf der Flucht. Wir haben aber nie das Gefühl, dass die Situation gefährlich werden könnten. Wir fühlen uns sehr sicher.

Das Leben der Landbevölkerung ist sehr hart. Es wird alles in Handarbeit bewirtschaftet. Morgens gibt es nur einen Tee mit Zucker. Und es gibt nur eine Mahlzeit pro Tag. Wir haben zwei Belgier getroffen, die als Pfadfinder das Leben mit der einheimischen Bevölkerung geteilt haben, um eine Schule aufzubauen. Die beiden haben in drei Wochen 8 kg abgenommen.

Wir treffen eine Gruppe von Kindern. Ein Ruandese fragt sie nach ihrem Leben und übersetzt für uns. Es war bereits Nachmittag und die Kinder hatten den ganzen Tag nichts gegessen. Einige Kinder haben einen aufgeblähten Bauch, hervorgerufen durch Eiweißmangel. Sie standen in Lumpen vor uns, die Gesichter leer. Ich habe kein Foto gemacht. Etwas später spricht mich ein Jugendlicher auf Englisch an. Er wollte wissen, was wir machen und wie wir leben. Er kam zusammen mit seinen Brüdern von den Teeplantagen. Jeden Morgen gehen sie los in der Hoffnung Arbeit zu finden. Ihr Verdienst beträgt 70 Ct pro Tag. Die Feldarbeiter erhalten nur 1 % vom Endkundenpreis in Europa

Ein Belgischer Arzt, der in den 1970er Jahren in Muhanga als Entwicklungshelfer gearbeitet hatte, erzählt uns folgende Geschichte: Er hat den Menschen Obstbäume geschenkt. Die Leute haben die Obstbäume aber nicht gepflegt und bewässert, so dass die Bäume schnell wieder eingegangen sind. Später wurden Obstbäume aus seinem eigenen Garten gestohlen. Diese Obstbäume haben die Leute liebevoll gepflegt und bewässert, so dass sie in den folgenden Jahren viele Früchte getragen haben. Der Arzt meint, die Entwicklungshilfe sollte nicht fertige Lösungen und Produkte liefern. Die Afrikaner müssen sich selbst entwickeln und wenn die Eigeninitiative auch Diebstahl bedeute. Es wäre viel motivierender eigene kreative Ideen zu entwickeln, als vorgeschrieben zu bekommen, was zu tun ist.

Eines Morgens kam ein Ruandese aufgeregt auf mich zu. Er hat mein Fahrrad gesehen und war tief beeindruckt von den vielen Details. Er heißt Kalinda und erzählte mir, dass er selbst ein Lastenrad mit Elektroantrieb gebaut hätte. Die Zukunft Afrikas läge in dreirädigen Lastenrädern mit Elektroantrieb. Ich entgegnete, dass mir gerade einen Tag zuvor eine Professorin für Entrepreneurship aus Namibia sagte, wer in Afrika Fahrrad fahre, wäre ein Verlierer. Alle Afrikaner wollen das Auto. Als ersten Schritt müssten wir die Denkweise der Afrikaner ändern. Kalinda hielt daraufhin einen Vortrag über die moderne Mobilität. Er ist mit seinen Ideen vielen Europäern weit voraus. Anschließend erzählte er mir, wie er während des Genozid in den 1990er Jahren mit seinen Eltern in den Kongo flüchtete, einige Zeit in Deutschland lebte und dort vergeblich auf die Genehmigung seines Asylantrages wartete, dann mit dem Reisepass eines Freundes illegal nach Kanada reiste und schließlich wieder in Ruanda landete, weil hier das Leben doch am schönsten wäre. Er ist Ingenieur und spricht fließend mehrere Sprachen. Er hat mich fasziniert. Wir werden ihn in Kigali vor unserem Rückflug besuchen. Ich muss sein Lastenrad kennenlernen.

Es beginnt zu regnen und der Lehmboden wird rutschig. Wir finden Schutz unter einem Vordach irgendwo auf dem Land. Die Dorfbewohner freuen sich, dass wir da sind. Einige Männer haben offensichtlich etwas zu viel von dem Bananen-Schnaps getrunken. Eine Frau stellt ihre Sitzbank raus und bietet uns einen Platz an. Ihre kleine Tochter setzt sich neben mich. Das Mädchen leidet unter dem Proteinmangel wie viele Kinder in dem Dorf. Wir sehen es an dem ungewöhnlich dicken Bauch. Das kleine Mädchen zupft an meinem Pullover und zeigt die Flusen ihrer Mutter. Dann legt sie ihren Kopf auf meinem Arm und schläft ein. Ich fühle mich hilflos. Ich weiß, dass ich diesem Kind nicht helfen kann. Die Mutter bittet nicht um Geld, sondern lächelt mich nur an. Wir können uns nur mit Gesten verständigen. Irgendwann werde ich wieder aufstehen und die Familie wird ihr Leben leben, so gut es geht. Solange sitzen wir zusammen auf der Bank und warten bis es aufhört zu regnen.

Einige Frauen tragen selbstgemachte Kleider mit wunderschönen Mustern. Aber die meisten Dorfbewohner tragen alte und zerschlissene Kleider, die ganz offensichtlich von europäischen Kleidersammlungen stammen, vielleicht aus Spanien oder Frankreich, denn ein Junge trägt stolz eine Baskenmütze. Es ist schade, dass wir den Afrikaner das Gefühl vermitteln, dass sie es ohne unserer Hilfe nicht schaffen.

Genozid

Im Jahr 1996 gab es den Genozid. Es gab nicht nur das staatlich verordnete Morden durch das Militär, sondern vor allem auch unter der Bevölkerung zwischen Nachbarn und sogar zwischen Freunden. Das Kigali Genocide Memorial Centre dokumentiert wie ein 6 Jähriger Junge seinen Spielkameraden mit einer Machete umbringt.

Wir sind beeindruckt wie friedlich die Menschen Heute zusammenleben. Aber die Traumata gären unter der Oberfläche. Viele erzählen uns ihre ganz persönliche Geschichte wie beispielsweise Jan, der Heute 26 Jahre alt ist:

Jan ist Tutsi und lebte mit seiner Familie in Butare. Er ist auf einem der unteren Fotos zu sehen wie er neben dem Feuer steht und die Arme nach oben streckt. Sein Vater ist Niederländer, seine Mutter Ruandesin. Während der ersten Tagen des Genozids wurde Butare noch verschont. Der Bürgermeister war ein Tutsi. Erst nach einer Woche ist die Familie nach Burundi geflohen. Nur einen Tag später kamen Hutus aus Kigali mit dem Flugzeug und begannen auch in Butare zu morden. Der Bürgermeister wurde als erster umgebracht. Es wurden Straßensperren aus brennenden Autoreifen aufgebaut. Eine Flucht mit dem Auto war jetzt nicht mehr möglich. Jeder Autofahrer wurde kontrolliert und Tutsi wurden sofort umgebracht. Jan war auf der Flucht 4 Jahre alt und hat den Genozid ganz knapp überlebt.

Die kleine Bruder seiner Mutter war zu der Zeit 6 Jahre alt. Es war in seiner Schulklasse als die Mörder kamen. Seine Mutter hatte ihm beigebracht in diesem Fall zu sagen, dass er wisse, wo sich das Waffenlager befinde. So wurde er zunächst verschont, musste aber beobachten wie seine Klassenkameraden mit einer Machte ermordet wurden. Er zeigte den Hutus den Weg zu dem vermeintlichen Waffenlager. Es gab dort keine Waffen. Die Mörder haben ihn daraufhin erschlagen. Aber er war nur bewusstlos. Kurze Zeit später hat seine zwei Jahre ältere Schwester ihn gefunden. Er ist langsam aus seiner Bewusstlosigkeit aufgewacht. Die beiden sind alleine geflohen. Sie haben sich außerhalb der Siedlungen versteckt, Bananen gegessen und Wasser aus Pfützen getrunken. Sie wurden schwer krank und haben sich weiter durchgekämpft. Hutus haben sie gefunden und sämtliche Kleider gestohlen, aber noch am Leben gelassen. Völlig nackt sind sie weiter egzogen. Überall lagen Leichen herum. Sie haben von den Toten die Kleider genommen. Zwischendurch haben Hutus die beiden Kinder für ein paar Tage aufgenommen und dabei ihr Leben riskiert. Erst als die Befreiungstruppen nach 100 Tagen die beiden Kinder erreicht haben, waren sie gerettet.

Tour

Google Maps:
www.google.com/maps/d/viewer


TagStreckekmHöhenmeter 1Kigali – Muhanga541.274 2Muhanga – Nyanza44648 3Nyanza – Nyamagabe31863 4Nyamagabe – Kitabi301.360 5Kitabi – Uwinka361.752 6Uwinka – Rusizi591.250 7Rusizi – Ishara521.405 8Ishara – Kivu Lodge502.109 9Kivu Lodge – Kibuye Rwiza401.436 10Kibuye Rwiza – Bumba Base Camp561.802 11Bumba Base Camp – Ruschel30731 12Ruschel – Gisenyi591.451 13Gisenyi – Musanze611.154 14Musanze – Ngororero521.343 15Ngororero – Muhanga511.089 16Muhanga – Kigali56953  Summe75020.620


Infos

Fahrrad: GEOS Gravel, ohne Motor, mit Rohloff-Schaltung

Navigation: Locus Pro. Basiert auf Open Street Maps, die zugleich die besten Karten in Ruanda sind. Es reicht, sich das nächste Hotel auszusuchen und den Weg dahin berechnen zu lassen. Es werden fast immer ein schöne Wege ermittelt, einschließlich Singletrails abseits der großen Wege.

Tourenvorschläge, Kaspar Kundert:
esri-rw.maps.arcgis.com/apps/MapJournal/index.html

Geführte Touren, Michael Frank:
www.afrika-erleben.de/fahrradtour-in-den-bergen-von-ruanda/

2017-08 Fahrradtour Garmisch-Gardasee
2017-08 Fahrradtour Garmisch-Gardasee
Fahrradtour Garmisch-Gardasee
2017-04 Georgien
2017-04 Georgien

Die 70 Jahre Bolschewismus haben ihre Spuren in Georgien hinterlassen. Das Land ist ausgelaugt. Viele Dörfer wurden inzwischen an das Elektrizitäts- und Gasnetz angeschlossen, wobei die Gasleitung in 3 Metern Höhe verlegt wird.

Aus der Sicht der Georgier wurden in den letzten Jahrzehnten gewaltige Verbesserungen erzielt. Aus unserer Sicht ist es immer noch ein armes Land. Das Bruttoinlandsprodukt pro Person beträgt im Vergleich zu Deutschland nur 1/10.

Die Georgier sind Europa zugewandt. Überall weht die europäische Fahne. Die Jugend möchte in Europa studieren.

In den großen Städten wie Tiflis, Batumi und Kutaissi wurden die Zentren sehr schön wiederaufgebaut. Die Restaurants werden mit viel Kreativität eingerichtet und das Essen ist georgisch gut.

Die Georgier haben auch eine eigene Musikrichtung, nicht zu verwechseln mit dem Gregorianischen Gesang, auch wenn sich beides ähnlich anhört. Es lohnt sich oben das Video anzuklicken.

Es wird gerne und viel getrunken. Dabei ist der Tamada für die Trinksprüche zuständig. Wir haben solange auf die Gastfreundschaft und die Mutter Erde angestoßen, bis wir aufgeben mussten. Entgegen der Vorwarnungen wird aber keiner zum Trinken genötigt.

Durch Georgien verläuft die Seidenstraße. Über Jahrtausende wurde Georgien aus allen Richtungen angegriffen. Heute leben viele Völker nebeneinander. Der kleine Ort Kabali im Nordosten ist zweigeteilt. Im Osten leben muslimische Aserbaidschaner und im Westen christlich orthodoxe Georgier. Die Kinder spielen nicht zusammen Fußball.

Im Südwesten haben wir auf über 2.000 m Höher ein Dorf mit Armeniern getroffen. Diese Armenier sind vor 100 Jahren aus der Türkei geflohen. Sie leben Heute in einer sehr kalten und kargen Landschaft. Kurze Zeit später treffen wir einen jungen Georgier. Er will mit diesen Armeniern nichts zu tun haben, weil sie eine ganz andere Religion hätten: die einen sind georgisch Orthodox und die anderen armenisch Orthodox.

Ich habe mir zu Beginn der Reise Toxoplasmose eingefangen. Dabei handelt es sich um einen Parasiten, der über das Essen aufgenommen wird. Leider gehöre ich zu den 18 von 100.000 Fällen, bei denen sich der Parasit auch im Auge eingenistet hat. Gleich nach der Infektion war die Sicht zunächst getrübt und später durch dunkle Flecken eingeschränkt. Schlimmstenfalls kann die Netzhaut nachhaltig geschädigt werden. Jetzt beobachte ich den Kampf zwischen den Wirkstoffen Trimethoprim und Sulfamethoxazol gegen den Parasiten Toxoplasma Gondii. Möge das Gute gewinnen.

2017-01 Kuba
2017-01 Kuba

Wir fahren mit dem Fahrrad durch kleine Dörfer. Die 20 km/h sind ideal, um die Stimmungen einzufangen. Wir fahren einfach drauf los und finden bei den Leuten immer was zu Essen oder eine Unterkunft. Kuba ist mit dem Fahrrad ideal. Ich habe gelernt, dass man bei dem Mojito sagen kann, dass zu wenig Rum drin wäre, worauf großzügig nachgefüllt wird. Die Zufriedenheit des Kunden ist hier sehr wichtig.

Wir haben eine Abkürzung genommen. Kubaner hatten versucht uns aufzuhalten, weil die Strecke nicht passierbar wäre. Sie war es aber doch, wenn auch sehr beschwerlich. Dafür waren wir mitten drin. Wir haben mit den Bauern Tomatensaft mit Rum getrunken. Die Leute waren total nett und froh uns kennenzulernen. Wieder auf der Straße zurück haben wir eine Gruppe mit polnischen Frauen getroffen, die auch mit dem Fahrrad unterwegs waren. Das war eine typische No-Hay-Bar, aber die Frauen hatten glücklicherweise eine Flasche von dem ganz alten Rum dabei.

Wir hatten ein sehr einfaches Leben. Das Fahrrad war genial. Wir waren schnell außerhalb der Touristenströme und haben aber immer eine Unterkunft gefunden. Auf dem Land zahlt man beispielsweise 4 Ct für einen Cafe, ein paar Kilometer weiter mit der nordamerikanischen und europäischen Zielgruppe sind es 2 bis 4 EUR, also Faktor 50 bis 100. Wer die Genehmigung hat irgendwas für Touristen machen zu können, verdient richtig Geld. Akademiker stehen lieber hinter der Bar, weil sie sonst nur 30 EUR pro Monat verdienen würden. Die Rente liegt bei 8 EUR. Ich glaube in keinem Land sind die Unterschiede zwischen armen und reichen Bevölkerungsgruppen so groß wie derzeit im sozialistischen Kuba. Es gibt wenige Gewinner und eine große Mehrheit, die auf der Strecke bleibt.

Die Altstadt von Havanna wird von Nordamerikaner bevölkert. Es gibt zwar eine sehr schöne Architektur, aber der Rest ist Folklore. Ein paar Kilometer außerhalb im reichen Stadtteil Vedado entsteht das neue Kuba, mit renovierten Villen und schicken Restaurants. Kleine familiäre Gruppen präsentieren Musikshows. Der Son Cubano ist hier ausgestorben. Die Jungs rappen und die Mädels tragen Ganzkörperleggings in den Farben der nordamerikanischen Fahne.

Die Regierung bekommt nichts auf die Reihe. Sie will aber nicht zugeben, dass sie von der Privatwirtschaft abhängig ist. Es heißt auch nicht privado, sondern particular, also „besonders“. Die Regierung traut sich nicht mal den Begriff privat zu verwenden.

Vor 15 Jahren durfte ich nicht in einem Auto mitfahren. Der Besitzer hätte Geld verdienen können und Geld zu verdienen war Sache des Staates. So waren alle gleich arm. Das Leben bestand aus Musik, Rum und Frauen. Es war ein außerordentliches Menschenerlebnis, wie ich es sonst nie auf der Welt erfahren hatte. Mit der Liberalisierung und den Touristenströmen ist das Heute vorbei. Aber es ist immer noch ein sicheres Land mit sehr netten Menschen und beeindruckenden Begegnungen.

Die jungen Leute können mit den politischen Losungen der Revolution vor 56 Jahren nichts mehr anfangen. Es ist zwar gelungen, das Land zu einen, sowie ein Bildungs- und Gesundheitssystem einzuführen. Aber danach war Stillstand. Und zur Einigung muss man sagen, dass Andersdenkende entweder ausgewandert sind oder im Gefängnis sitzen. Die Revolution und das anschließende System hatte sicher ihre positiven Seiten. Aber man darf die Menschen nicht zu ihrem Glück zwingen.

Ich habe für mich mitgenommen, dass es jenseits der politischen Systeme vor allem wichtig ist, ein selbstbestimmtes Leben führen zu können und seinen Nächsten mit Respekt zu begegnen.

2016-12 Costa Rica
2016-12 Costa Rica

Ich sitzte gerade in einer kleinen Holzhütte. Auf dem Blechdach prasselt der Regen. Wir sind hier auf 1.500 m Höhe und vom primären Urwald umgeben. Der Passat bringt 3.000 mm pro Jahr. Die Pflanzen im Bereich der Baumkronen erhalten ihr Wasser ausschließlich vom Nebel. Alles ist nass, aber nicht kalt. Ein Führer hat uns den Urwald erklärt und viele Tiere gezeigt, die wir ohne ihn nie gesehen hätten.

Das ist ein sehr friedliches Land, die haben vor 50 Jahren das Militär abgeschafft und investieren des Geld lieber in die Bildung.

2015-12 Südafrika
2015-12 Südafrika
Südafrika

Dieses mal habe ich für zwei Monate von Kapstadt aus gearbeitet. Ich wohnte in einem kleinen Reihenhaus im muslimischen Viertel mit Blick auf das Zentrum und das Meer. Nur hier gibt es noch das alte Kapstadt mit den kleinen und bunten Häusern. Ich versuche mich auf die Arbeit zu konzentrieren und bin mittags in einem der vielen netten Cafés unterwegs. Am Wochenende spiele ich am Strand Beachvolleyball.

Die Hälfte der Volleyballer spricht perfekt deutsch. Es gibt hier 250.000 Deutsche bzw. Deutschstämmige. Hinzu kommen viele aus Namibia. Außerdem gibt es einige Südafrikaner, die auf die deutsche Schule gegangen sind. Die Wochenenden sind beachen pur. Völlig unkompliziert, einfach kommen, irgendwas geht immer. Außerdem gibt es offene Turniere. Das Niveau reicht bis zum Olympiateilnehmer. Es kommen viele über den Winter für ein paar Monate und versuchen Arbeit und Volleyball zu verbinden. Auf den Fotos seht ihr Harley, Benjamin, Grant und Jerome vor dem Tafelberg beachen. Das hier ist ein Show-Spiel zwischen Brasilien und Südafrika. Ich stand als zweiter Schiri in der ersten Reihe.

Mit Peter R bin ich die Garden Route entlang gefahren und wir waren in so wunderschönen Orte wie Sedgefield, Knysna und Plettenberg Bay. Unser Bed & Breakfast stand direkt auf der Düne am Wasser. Die PiliPili Bar in Sedgefield ist awesome. in Garden of Eden sind wir mit dem Mountainbike durch die Wälder und entlang der Küste gefahren. Die Route 62 führt zurück nach Kapstadt durch weite und fast unberührte Natur zu herrlichen Weingüter bei Stellenbosch und Franschhoek, wo es sich immer lohnt anzuhalten und ein Glas Wein zu trinken.

Der 5 kg schwere Adler lebt in den Drakensbergen, 2.000 km nördlich von Kapstadt, direkt östlich von Lesotho. Dort haben wir Silvester zusammen mit zwei Südafrikanerinnen und vier Rentieren gefeiert. Auf den Märkten wird gestoßene Baumrinde zur Heilung angeboten.

Im neuen Jahr sind Frank, Una und Luca eingetroffen und wir haben zusammen im Garten gefrühstückt. Anschließend haben wir das Township Masiphumelele besucht, natürlich zusammen mit einem Einheimischen. Die Zuwanderer besetzen zunächst das Land der Regierung mit einfachen Wellblechhütten, die sogenannte „informal area“. Nach vielen Jahren schenkt die Regierung das Land und baut Häuser und das Land wird zur „formal area“. Ein Teil des eigenen Grundstücks wird für 30 bis 120 EUR pro Monat an Leute aus Simbabwe vermietet. Die Mieteinnahmen reichen schon fast zum Leben. Allein das Township Khayelitsha neben der Autobahn N2 von der Innenstadt zum Flughafen hat eine höhere Einwohnerzahl als Namibia.

Wir waren ein paar Tage in Penhill, eine alleinstehende Farm zwei Stunden nördlich von Kapstadt. Ein wunderbarer Ort zum Mountainbiken und Hiken. Morgens kamen beim Frühstücken die Enten um die Ecke und in den Bergen hat eine große Schildkröte uns den Weg versperrt. Da anderen Bilder zeigen den Bay Harbour Market und die "Waldbühne" von Kapstadt.

In keinem Land ist der Unterschied zwischen Arm und Reich so groß wie in Südafrika. Erste und Dritte Welt leben Tür an Tür. Den Weißen gehört das Land und den Schwarzen bleibt das Township Khayelitsha. Unter den Volleyballern brach morgens eine Diskussion aus als einer berichtete, dass es pro Jahr 4.000 Morde in den Townships gäbe.

Ich habe eine Frau kennengelernt, die als Colored aus dem District 6 vertrieben wurde. Das District 6 wurde von der Apartheid-Regierung 1968 platt gemacht, um Lebensraum für die Weißen zu schaffen. Sie trägt noch Heute den Zorn mit sich und selbst Mandela hätte sie verraten. Es gibt aber auch viele Weiße, die sagen, dass der Rassismus der Schwarzen Heute größer wäre als im letzten Jahrzehnt der Apartheid.

Die wirtschaftliche Zukunft liegt nach wie vor bei den Weißen und teilweise bei den Indern. Und es sind nicht alle Ausbeuter. Ich kenne viele Weiße, die sich in sozialen Projekten engagieren. Aber die Weißen leben immer mit der Angst ihren Besitzt zu verlieren. Sie leben in ihrer Parallelgesellschaft und bilden Cluster der schönen und heilen Welt. Es gibt viele weitere Parallelgesellschaften, auch innerhalb der Schwarzen. Allein die 11 Nationalsprachen spiegeln diese Vielfalt wieder. Aber am Ende werden alle vom ANC regiert, dessen Willkür unberechenbar ist.

Ein Lichtblick ist die deutschstämmige Helen Zille (Großnichte des Berliner Maler Heinrich Zille), die 2009 mit großer Mehrheit in der Provinz Westkap zur Premierministerin gewählt wurde, auch mit vielen Stimmen der Schwarzen. Südafrika muss wieder den Weg der Versöhnung gehen, den Mandela so erfolgreich begonnen hat.

Hier in Kapstadt bekomme ich einen neuen Blick auf Deutschland. So schön eine bunte Vielfalt ist, so wertschätze ich auch eine homogene, friedliche und sichere Gesellschaft. Ich hoffe, dass uns die in Zukunft erhalten bleibt.

2014-12 Kalifornien
2014-12 Kalifornien
Kalifornien

Die Amerikaner lieben XXL. So ist die Weihnachtsbeleuchtung in einem privaten Vorgarten von Berkely so riesig, dass sie in dem ersten Selfie schon fast blendet. In San Francisco gibt es viele nette Bars mit Livemusik, bevorzugt Jazz und Bluegrass. Beeindruckend ist die Abendstimmung auf den Twin Peaks. Wir haben viele nette und extrem freundliche Amerikaner getroffen, so dass ich meine Vorurteile revidieren musste. Aber sobald man etwas aus der Reihe tanzt, schlägt die Freundlichkeit in einen harschen Befehlston um. Das haben wir zum Glück nur einmal beim falschen Abbiegen erlebt.

Die rund 1.000 m hohe Granit-Felswand ist der El Capitan im Yosemite, wo die berühmtesten und vielleicht auch die schwierigsten Routen geklettert werden. Auch wenn man es auf dem Foto nicht richtig sieht, der letzte Teil ist leicht überhängend. Die rote Feuerqualle schwimmt im Monterey Bay, in einem der größten Aquarien der Welt. Und der Salzsee ist der Soda Lake, der mit Natriumsulfat- und Natriumkarbonat-Salzen bedeckt ist. Links im Bild verläuft die San Andreas Verwerfung.

Die Zelte befinden sich in der Innenstadt von Los Angeles und werden von Obdachlosen bewohnt. Ganz im Gegensatz dazu das Schaufenster von Palter DeLiso für die Schönen und Reichen in Beverly Hills.

Das zweite Video zeigt eine Bluegrass-Session in der Bar Amnesia in San Francisco. Hier kann jeder vorbeikommen und Musik machen, so wie hier mit dem Song Jolene von Dolly Parton. Und das dritte Video wurde im Venice Beach aufgenommen, wo alles ein wenig verrückt ist, wie auch dieser Klavierspieler, der wie ein Wahnsinniger in die Tasten haut.

2014-07 Kanutour Peru
2014-07 Kanutour Peru

Das erste Fotos ist von 1988 und zeigt Holger, wie er auf einem selbst gebauten Balsaholz-Floß den Rio Urubamba herunter paddelt. Seit dieser Zeit haben wir unsere Kanutour von Quillabamba nach Atalya geplant.

Stromschnellen

Wir haben zwischen Quillabamba und Ivochote zahlreiche Stromschnellen im dritten Schwierigkeitsgrad passiert. Holger saß hinten und hat mit all seine Erfahrung das Kanu gesteuert und stabil gehalten, während ich vorne nur geradeaus gepaddelt habe. Ich hatte den Eindruck, dass das Boot sicher im Wasser liegt, während bei Holger der Adrenalin-Spiegel jedes mal steil nach oben ging. Wir sind tatsächlich nie gekentert, aber immer wieder komplett nass geworden.

Unterhalb vom Pongo de Mainique sind die einzige Verkehrsmittel die schmalen langen Boote, mit denen die Stromschnellen sicher passiert werden können. Daneben gibt es Einbäume mit einem kleinen Außenborder. Unser Expeditionsboot löst bei den Einheimischen immer großes Interesse und Bewunderung aus. Wir fühlen uns nicht als Fremdkörper, sondern als Teil des Menschen vor Ort.

Ich war noch nie so weit weg

Die Kaffedose ist nach sechs Tagen vom feuchten Klima stark angerostet. Der Laptop funktioniert nicht mehr. Den Rasierer habe ich verloren und die Batterien von der Stirnlampe sind leer. So nach und nach leben wir hier wie die Matsiguenkas.

Egal was man tut, es fühlt sich immer sinnvoll an

Mittags liegen wir im Schatten und beobachten den Fluss, hören die Vögel und fühlen die kühlende Luft, die vom Rio Urubamba hoch weht. Abends kochen wir über dem Feuer Kartoffeln, braten Zwiebeln mit etwas Butter an, schneiden Tomaten dazu und dünsten Fische, die uns vorbeikommende Fischer geschenkt haben. Alles schmeckt hier intensiver, was aber auch daran liegen kann, dass wir den extremen Verhältnissen des Dschungels ausgeliefert sind, die alle Sinneseindrücke verstärken.

Nach dem Abendessen liegen wir auf dem Rücken und blicken in einen gigantischen Sternenhimmel. Holger erklärt mir als Physiker die intergalaktischen Zusammenhänge und ich frage mich, wie nur durch Evolution Materie von Berlin nach Peru fliegen kann.

So fange ich an zu philosophieren: im Buddhismus können wir als Mensch oder Tier wiedergeboren werden. In der Evolution sind die Grenzen zwischen Mensch und Tier fließend. Aber auch die Grenzen zwischen Tieren und Pflanzen sind fließend und auch zwischen organischer und anorganischer Materie. Wenn wir aber die Grenzen weglassen, so gilt unser Respekt und unsere Demut nicht nur gegenüber den Mitmenschen, sondern auch gegenüber Tieren, Pflanzen und Steinen, also gegenüber allem.

San Pedro

Wir haben die Foto-Journalistin Hilary aus Seattle kennengelernt. Sie reist alleine mit kleinem Gepäck und begleitet uns ein paar Tage. Abends hängt sie ihre Hängematte zwischen zwei Bäumen auf und spannt darüber ein Tarp. Sie isst fast nichts. Sie hat den Kaktus San Pedro dabei, der vor allem dann Halluzinationen auslöst, wenn man vorher zwei Tage nichts gegessen hat. Sie beobachtet uns jeden Tag beim kochen, wird schwach, isst etwas und beschließt schließlich die Halluzinationen wieder um einen weiteren Tag zu verschieben. So vergeht Tag um Tag und sie wird dünner und schwächer. Wir werden Morgen weiterreisen und Hilary mit ihrem San Pedro alleine zurück lassen. Wir wissen nicht, wie ihr es jetzt geht. Nach unserer Rückkehr in Berlin antwortet sie nicht auf unsere Emails.

Sabeti Lodge

Auf halben Weg treffen wir auf die Sabeti Lodge, die 2006 gebaut wurde und für gutes Geld eine angenehme Unterkunft anbietet. Als wir aber die Lodge schließlich gefunden haben, finden wir nur eine Ruine vor. Eine leere Bierflasche, ein paar Naturbücher und ein zurück gelassenes Fernglas zeugen von dem ehemaligem Leben. Heute zerfällt alles und der Dschungel nimmt sich mit seiner ganzen Kraft sein Stück Land wieder zurück. Wir beschließen unterhalb der Lodge unser Lager aufzubauen und einen Tag zu bleiben.

Matsiguenkas

Wenn man mit dem Kanu den Strom langsam hinunter treibt und die Stille hört, die nur von Vogelgezwitscher übertönt wird, breitet sich eine intensive innere Ruhe aus. Doch dann sieht man am Ufer auch eine Familie Wäsche waschen und vom weitem hört man Musik, die wir so noch nie gehört haben. Zwei Takte Frauenstimme"Wua Wua Wua", gefolgt von zwei Takten Bass "Duff Duff Duff". Es leben Menschen hier.

Einmal kam ein Kleinbauer zu unserem Lagerplatz und lud uns zu einem Kaffee ein. Er heißt Elbert und bewirtschaftet zusammen mit seiner Frau und einem Kind ein kleines Stück Land, auf dem er Bananen, Kaffee und weitere Früchte anbaut. Mehr Bio geht nicht. Einmal in der Woche kommt ein Zwischenhändler vorbei, der die Waren abkauft und in den Städten weiter verkauft.

Die Menschen haben eine einfache Schulbildung, sind aber im Umgang mit uns sehr angenehm und freundlich, so dass schnell eine menschliche Verbundenheit entsteht. In den Dörfern entlang der Rio Urubamba sprechen die Menschen untereinander Matsiguenka. Sie unterscheiden sich in ihren T-Shirts nicht von den sonstigen Peruanern, allerdings ist die Kontaktaufnahme mit der indigenen Bevölkerung immer sehr schwierig. Die Mimik ist sehr reduziert und die Gespräche sind sehr zäh, wenn überhaupt mal ein Gespräch zustande kommt. Als ich mal einen Seitenfluss stromaufwärts gewandert bin, habe ich eine halbnackte Matsjguenka-Frau getroffen. Allerdings waren wir beide so erschrocken über uns, dass wir uns schnell wieder voneinander abgewendet haben.

Die Kinder wachsen frei und unbekümmert in einer geborgenen Gemeinschaft auf. Ab und zu zeigen die Erwachsenen Grenzen auf, aber relativ emotionslos und ohne weitere Erläuterungen, und die Kinder folgen ohne weitere Machtkämpfe. Allerdings bekommen die Kinder keine Impulse und Anregungen von außen, so dass sie sich intellektuell kaum entwickeln können, zumindest nach unseren Maßstäben. Hinzu kommt die enorme Hitze, die tagsüber nur stark verzögerte Bewegungen zulassen. Sport wie Fußball und Volleyball sind nur abends zwischen 5 und 6 Uhr möglich. Danach ist es dunkel und Licht gibt es wenn überhaupt nur sehr eingeschränkt. Außerdem sind viele Dörfer entlang des Ucayaly auf Stelen gebaut, da in der Regenzeit weite Landstriche unter Wasser stehen und die Häuser dann nur mit dem Einbaum erreicht werden können. So steht auch der Fußballplatz während der Regenzeit für 6 Monate unter Wasser. Gespräche können dann auch so verlaufen: como estas, tranquillo, y tu, si, muy tranquillo.

Ayahuasca

Wer es bis hier geschafft hat alles zu lesen, den will ich zum Abschluss mit einer besonderen Geschichte belohnen: In Iquitos war ich zusammen mit einem jungen Holländer bei einem Schamanen, der uns aus einer halbleeren Flasche einen kleinen Becher Ayahuasca gab. Der Wirkstoff wird aus Lianen extrahiert und enthält DMT, das weitaus stärkere Halluzinationen auslöst als LSD. Die Schamanen verwenden es, um im Rahmen einer Zeremonie mit den Vorfahren in Kontakt zu treten.

Bei mir hat das Zeug voll angeschlagen. Als es nach 20 Minuten in mein Hirn eingeschossen ist, kamen viele bunter Bilder auf mich zu, ich habe Wasserfälle geschwitzt und mein T-Shirt ausgezogen. Ich wollte das Zeug wieder loswerden, was natürlich nicht ging. Der Raum war völlig dunkel und die Zeremonie hatte noch nicht begonnen. Der Schamane hat mich in seinen Garten begleitet und die kühle Luft hat mich wieder zurück geholt. Ich war jetzt wieder in der Lage ein Blatt anzusehen, ohne das sich Form und Farbe geändert haben. Das hat mir Mut gegeben und ich konnte mich auf den positiven Teil konzentrieren. Der Schamane fing mit seiner Zeremonie an, wobei ich meine, dass sich im Text auch ein Ave Maria eingeschlichen hat. Er hat mit Wedeln auf mich eingeschlagen und mit Zigarettenrauch meine bösen Geister ausgetrieben. Nach zweieinhalb Stunden war der Zauber vorbei und der Holländer meinte anschließend, dass wir jetzt Ayahuasca-Brothers wären.

Die Zeremonie kam im besten Moment am Ende der Tour als Höhepunkt von allem. Ich hatte das Gefühl, dass jemand ein Fenster in meinem Kopf aufgestoßen hätte. Nach ein paar Tagen wusste ich auch, dass es keine negative Nachwirkungen gab. Ich weiß nicht, ob die Aktion eine gute Idee war, aber ich möchte diese Erfahrung nicht missen.

2014-01 Nepal
2014-01 Nepal

Nepal ist ein friedliches und religiöses Land mit sehr netten Menschen und guter Bildung. Es mag zwar arm sein, aber die Armut wie in Indien oder Südamerika habe ich hier nicht gesehen. Wenn man den Weizen mit der Hand drescht und die Wäsche auf der Straße wäscht, mag das zwar nicht zum Bruttosozialprodukt beitragen, aber man verbraucht auch keine mineralischen Rohstoffe. Die Menschen leben hier teilweise wie vor vielen Hundert Jahren.

Aber allein in Kathmandu hat in den letzten zehn Jahren die Bevölkerung von 1 auf 3 Millionen Menschen zugenommen. Viele kommen von den Tälern in die Großstadt. Es gibt keine Stadtplanung. Ältere Touristen erzählen mir von der ruhigen Idylle in Kathmandu von vor 20 Jahren. Davon ist heute nichts mehr zu sehen. Der Asan Thole ist eine Jahrhundert alte Einkaufstraße. Heute ist es überall so eng. Es ist erstaunlich, mit welcher Geschicklichkeit Taxis und Motorräder ihren Weg finden und immer irgendwie aneinander vorbeikommen. Der einzige Ruheort ist die auf einem Hügel gelegene Tempelanlage Swayambhunath. Neben der dreckigen Luft kommt im Winter noch die Kälte nach Sonnenuntergang hinzu. Der Strom wird über Wasserkraft gewonnen, die allerdings im Winter nicht ausreichend zur Verfügung steht, so dass laufend der Strom ausfällt oder gleich für viele Stunden ganz abgestellt wird. Die Straßen sind nachts dunkel und das wenige Licht in den Häusern wird mit Kerzen, Batterien oder Generatoren erzeugt.

In Pokhara haben wir die letzten Vorbereitungen für unsere Tour durch den Himalaya mit dem Mountain-Bike getroffen. Die erste Station nach Jomsom wollten wir eigentlich mit dem Flugzeug zurücklegen. Leider ist der Flug wegen Nebel ausgefallen. Kein Problem, so haben wir stattdessen eine schöne Tour um den Fewalake bei Pokhara unternommen. Aber auch am nächsten Tag ist der Flug nach Jomsom wieder ausgefallen. Diesmal wegen starkem Wind. Also haben wir den bequemen Sessel mit Panorama-Aussicht auf die 8.000er gegen einen hart gefederten Range Rover getauscht, der von der der indischen Firma Mahindra noch Heute mit veralteter englischer Technik nachgebaut wird. Nach zehn Stunden Offroad ist Peter R unbewusst in seine flämische Muttersprache zurückgefallen. Wir wurden von einem kalten Wind empfangen. Auch das dunkle, fensterlose Zimmer mit einer Kerze und einer dünnen Decke hat unserer Stimmung nicht gerade gehoben. Im Gegenteil. Ich habe sogleich nach zehn weiteren Decken gefragt und Peter hat darauf bestanden, zu dem Guesthouse auf der anderen Straßenseite zu wechseln, wo es zumindest Strom und Licht gab.

Nach der ersten kalten Nacht auf 3.000 m Höhe haben wir zwei Tagesetappen zusammengelegt, um die verlorene Zeit wieder aufzuholen, und sind mit unseren Fahrräder auf 4.000 m bis nach Muktinath hoch gestrampelt. Die Luft war sehr dünn. Aber bei der weiten, kargen Landschaft haben wir uns wie im Rausch Meter um Meter hochgearbeitet.

Kaum zu glauben, aber in dieser scheinbar lebensfeindlichen Umgebung gibt es alle paar Stunden kleine Siedlungen, die auch den armen Touristen eine Unterkunft anbieten. Dabei handelt es sich um ein ungeheiztes Haus mit fließend kaltem Wasser. Abends sitzt man um einen gemeinsamem Tisch und isst Dal Bhat - Reis mit Linsen, Kartoffeln, eine Scheibe Gurke und zwei Scheiben Möhre. Unter dem Tisch wird ein Eimer mit glühender Holzkohle gestellt, der einen schnell wärmt. So haben wir die kalten Nächte in Jomsom, Kagbeni und Tukche auf rund 3.000 m verbracht. Die weiteren Übernachtungen in Tatopani und Baglung waren in tieferen Regionen unter 2.000 m und damit deutlich wärmer.

Zurück in Pokhera haben wir uns in der Sonne bei einem Cappuccino wieder bewusst an den vielen kleinen Dingen erfreut, die wir täglich nutzen, die aber nicht selbstverständlich sind. Dankbar und voller schöner Eindrücke haben wir die Berge hinter gelassen und sind nach Phuket geflogen, wo schon unsere Freunde und ein Katamaran auf uns warten.

2013-12 Indien
2013-12 Indien
Indien

Nach einem Zwischenstopp in Abu Dhabi mit einer Taxirundfahrt nach Dubai sind wir schließlich in Chennai gelandet. Jetzt wissen wir wie es sich anfühlt in einer indischen Großstadt zu leben. Es ist die Hölle. Die Luftverschmutzung schnürt einem die Luft ab, das ständige Hupkonzert raubt den letzten Nerv und die gefühlte Übervölkerung macht schlicht depressiv. Die südindische Küche ist für uns sehr gewöhnungsbedürftig. Schon zum Frühstück gibt es eine undefinierte Gemengelage von Gemüsen, Gewürzen, Soßen und Reis, die mit allen fünf Fingern der rechten Hand gegessen werden. So hat es nicht lange gedauert, bis unsere Mägen kapitulierten. Eine weitere lange Taxifahrt mit Lärm und Gestank hat uns schließlich den Rest gegeben und wir haben beschlossen auf weiteres nicht mehr das Hotelzimmer zu verlassen. Schon der Gedanke an das Frühstück ließ jegliches Hungergefühl vergehen. Ich bin sicher, uns verwöhnten Berliner fehlte einfach nur die Zeit, um uns auf dieses Leben einzulassen. Aber im Vergleich zu Chennai ist Berlin ein Luftkurort. Bei meinem letzten Indienbesuch vor 15 Jahren dominierten noch die Fahrradrikschas. Jetzt verpesten unzählige Toyotas, Hyundai und VWs die Luft. Aber vor allem die alten LKW's und die dreirädrigen offenen Taxis mit dem stinkenden Zweitaktern sind unerträglich. Und die Regierung unternimmt nichts gegen die zunehmende Luftverschmutzung. In den nächsten Jahrzehnten muss das hier kollabieren.

Selbst unsere indische Freundin Anu leidet sehr unter der Luftverschmutzung. Sie hat sich liebevoll um uns gekümmert und uns einen tollen Einblick in das Land gegeben: wir sind alle Tempel in Chennai und Umgebung abgefahren, haben eine wirklich beeindruckende Aufführung der besten Tänzerin gesehen und am letzten Abend hat sie uns zu einer privaten Einladung mitgenommen. Peter und ich waren dort sicher die ärmsten Schlucker. Nachdem wir die Sicherheitsbarrieren durchdrungen haben und damit die Straßenkinder hinter uns gelassen haben, wurden wir sehr herzlich mit allerlei Köstlichkeiten empfangen. Wir haben versucht mit unseren Outdoor-Klamotten nicht weiter aufzufallen. Trotz aller Vorurteile war das Haus geschmackvoll eingerichtet und die Gastgeber sehr nett. Auf dem Dach des Hauses wurde ein festliches Essen mit Hummer und einem grandiosen Blick bereitet. Trotzdem waren wir froh, als wir wieder in unser bescheidenes Leben zurück kehren konnten.

Die letzten Tage in Indien haben wir an den Stränden von Goa verbracht, wo wir uns von dem traumhaften Klima und den netten Menschen treiben gelassen haben und dem Beat des Goa-Trance gefolgt sind.

2012-10 Spiegelsaal
2012-10 Spiegelsaal
Essen und Trinken

20 Prosecco · 1 Crème de Cassis · 24 Château les Bertrands Cuvée Tradition blanc · 24 Chateauneuf du Pape 2010 · In Vanillebutter gebratene Jakobsmuscheln auf Steckrüben- pürée · Schaumsuppe vom Feldsalat mit Bündnerfleisch · Pochiertes Kalbfilet im Kräuter-mantel an Portweinjus mit Maronen und Brüsseler Sprossen und Pommes Macaire Crumble von der Brombeere · Topfenstrudel mit Aprikosenragout · Mousse au Chocolat Valrhona · 24 Longdrinks

Vorher und Nachher

Mittwoch Einkauf Jacket · Dorothee, Michael, Christian, Karin vom Boros abgeholt · Café Sowohl Als Auch, Claudia kommt hinzu · Hotel Amano · Besuch bei Alice und Kilian, Rotwein, Kicker · Restaurant Fleischerei: Peter, Dorothee, Michael, Christian, Karin, Alice, Kilian, Lara · Donnerstag Mittagessen mit Peter R · Abends Volleyball · Freitag Lieferung Wein · Lunch im Leysieffer mit Marie-Theres, Lara, Dorothee, Michael, Hilga, Claus · Einkauf Schuhe · The Grand Berlin mit Marie-Theres, Lara, Max, Dorothee, Michael, Christian, Karin · Ankunft Tilman · Samstag: 19 - 4 Uhr Spiegelsaal · Reden von Peter, Dorothee, Isabel, Tilman · Tanzen mit DJane Heide · Steffi singt Hallelujah von Leonard Cohen · Anschließend Clärchen Ballhaus · Sonntag Frühstück im Hotel Amano mit der ganzen Familie · Alice und Kilian kommen hinzu · Hotel Lobby mit Sylvia, Michael, Edda, Marion, Bernward · Café Literaturhaus mit Sylvia, Michael, Renate, Edda, Marion, Bernward · Oper Don Carlos mit Sylvia, Michael, Renate · Anschließend Restaurant Filou in der Bleibtreustraße · Montag Frühstück mit Tilman · Spiegelsaal Wein und Geschenke abgeholt · Hotel Lobby Amano mit Tilman, Edda und Alfred · Bootsfahrt Spree · Café Sowohl Als Auch · Nola am Weinberg mit Hilga und Claus · Dienstag Edda, Alfred · Besuch des Grabes von Berthold Brecht.

2008-10 Ilse
2008-10 Ilse
Ilse Hanstein
2007-07 Kanutour Torneälv Kungsleden
2007-07 Kanutour Torneälv Kungsleden

Kanutour Torneälv und Wanderung Kungsleden

2002-06 Flug Dänemark
2002-06 Flug Dänemark

Im Juni 2002 bin ich mit einer Cessna 172 und drei Freunden von Berlin nach Dänemark geflogen. Auf dem Rückflug haben wir die letzte Tagesetappe des Volvo Ocean Race überflogen.